Wieso ich “Brautpaare” hasse

Lesestoff

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Hochzeiten und liebe Hochzeitspaare. Aber ich hasse das Wort “Brautpaar” bzw. “Brautpaare”. Denn das schließt viele Personen, die heiraten wollen, von vornherein aus.

"Brautpaar" ist diskrimminierend.

Die deutsche Sprache ist keine einfache Sprache, wenn man genderneutral schreiben möchte. Wörter wie “jeder”, “man”, maskuline Wörter generell werden als Synonym für alle Geschlechter und Personen benutzt. Es gibt kaum Optionen, genderneutral zu schreiben, ohne einen Doppelpunkt oder Schrägstrich (Teilnehmer:in, Teilnehmer/in) zu verwenden.

Mittlerweile ist die Bewegung der gendergerechten Sprache bzw. des genderneutralen Lebens immer größer geworden, und das Verlangen nach neutraler Sprache zieht nach. Das macht es nicht gerade einfacher, vor allem weil gerade ältere Generationen oftmals nicht verstehen können, wieso wir so sehr darauf pochen, dass eben auch die (bspw.) weibliche Form (oder bestenfalls eine neutrale Form) genannt wird. Diese Generationen sprechen das dem “Überdenken” und “Reinsteigern” zu – leider echte Konversationen, die ich bereits auch mit älteren Mitgliedern meiner Familie hatte.

Um mal auf die feministische Schiene zu gehen: Wieso sollte ich mich mit einem Gender Pay Gap zufriedengeben, wieso sollte ich mich mit verringerter Rente wegen Carearbeit der (zukünftigen) Kinder zufriedengeben, während Alex das große Geld verdient und eben nicht zuhause bleibt? Wieso sollte ich mich dann zufrieden geben, durch die Benutzung der maskulinen Form eines Wortes ausgegrenzt zu werden? Das ist subtile Diskrimminierung in ihrer reinsten Form, genauso wie wenn jemand zu mir sagen würde, ich solle doch Hausfrau werden, weil ich so gut backen kann.

Um den Bogen jedoch zurück zu spannen: Das Bewusstsein, dass die deutsche Sprache leider viel zu häufig diskrimminierende Wortformen verwendet, wird immer größer.

In diese Sparte fällt auch das Wort “Brautpaar”. Denn “Brautpaar” impliziert, dass das Paar, das die Ehe schließen möchte, auf jeden Fall eine Braut enthält. Was ist aber mit zwei Männern, die heiraten wollen? Was ist mit Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen oder genderfluid sind? Was ist mit polyamoren Beziehungen, wo vielleicht drei Personen einander heiraten wollen? All diese wunderbaren Menschen, die auch nichts anderes machen wollen, als in einer Hochzeitszeremonie Ja zueinander sagen, werden von vornherein ausgeschlossen.

Ja, die Kritiker:innen (da ist es schon wieder!) könnten jetzt sagen, dass weniger als 10 % aller in Deutschland geschlossenen Ehen (ob standesamtlich, religiös oder frei) von queeren Hochzeitspaaren eingegangen werden. Dass das Wort “Brautpaar” ja 90 % aller Paare anspricht.

Aber ist das gut genug?

Meiner Meinung nach nicht. Deshalb benutze ich soweit es geht genderneutrale Sprache und verwende das Wort “Hochzeitspaar” für meine Paare, ganz egal welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Ehrlicherweise muss ich das auch gar nicht für die Durchführung meiner Dienstleistung wissen. Ich muss nur wissen, ihr liebt euch und wollt heiraten. Alles andere ist optionale Info. Klar bin auch ich nicht unfehlbar und verwende manchmal nicht die optimale Formulierung. Aber ich versuche es zumindest.

Ich verwende seit über zwei Jahren das Wort “Hochzeitspaar” und siehe da, es kommt mir nicht mal mehr in den Sinn, “Brautpaar” zu sagen. Aller Anfang ist schwer, aber so schwer nun auch wieder nicht. Wenn man es eben will.

Anmerkung: Beim Schreiben dieses Artikels ist mir dann bewusst geworden, dass das Wort “Hochzeitspaar” strenggenommen auch polyamore Beziehungen ausgrenzen würde, sofern diese Beziehungen sich nicht als “Paare” bezeichnen. Falls ihr also eine noch bessere Formulierung habt, schreibt mir super gerne eine E-Mail!

Der Hochzeitskuss eines LGBTQ-Paares

Dieser Teil des Artikels ist für euch Hochzeitsdienstleister:innen.
Und er wird nicht angenehm.

Wie oft lese ich das Wort “Brautpaar” in euren Instagram- und Blogbeiträgen. Wie oft höre ich es in Unterhaltungen. Gerade wir als Dienstleistende in der Hochzeitsbranche, in der es doch wirklich nur um die Liebe gehen soll, sollten nicht diskriminieren.

Ich weiß aber auch, dass viele von euch das eher unterbewusst machen. Deshalb versuche ich, Bewusstsein dafür zu schaffen.

Und in diesem Zusammenhang wären noch drei weitere Dinge zu nennen (wenn wir schon mal dabei sind, uns zu beschweren):

Mr & Mrs Schilder sind pfui.

Es ist wirklich erschreckend, wie häufig ich bei einem Messebesuch diese “Mr & Mrs”-Schilder auf Messeständen sehe… noch dazu bei freien Trauredner:innen! Deren Dienstleistung ironischerweise ja extra dafür ins Leben gerufen wurde, um alle Menschen, unabhängig von rechtlichem Zwang, religiösen Konventionen oder Glaubensrichtung (oder auch keiner) zu verheiraten. Und dann sehe ich diese Schilder auf eurem Stand hängen und denke mir: Ihr habt den Grundbegriff eurer Dienstleistung eigentlich nicht verstanden.

Ja, bei Brautmode-Messeständen verstehe ich noch, wieso die Werbung nur auf Frauen ausgelegt ist (auch wenn alle anderen Personen bestimmt auch super in einem Hochzeitskleid aussähen!).

Aber bei “geschlechtsunabhängigen” Hochzeitsdienstleistungen rollen sich mir regelmäßig die Fußnägel hoch, wenn ich solche diskriminierenden Schilder oder Deko sehe.

Rainbowwashing.

Kennt ihr das? Pünktlich um Mitternacht des 01. Juni jedes Jahres, fast so als ob Silvester wäre, packen alle Websites, großen Konzerne und Marken ihre Regenbogenflaggen aus. Juni ist schließlich der Pride Month. Die Regenbogenflagge zeigt Toleranz und Solidarität zur queeren bzw. LGBTQ+-Bewegung.

Das kuriose daran ist aber: Ally zu sein, beschränkt sich nicht auf diese 30 Tage im Jahr. Genauso wie der Spruch stimmt: Du nimmst nicht zu zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.

Es ist toll, dass du, wie alle anderen, die nicht auf einem anderen Stern leben, deine Regenbogenflagge im Juni hisst. Aber wenn dann der 01. Juli ist, nimmst du sie dann wieder runter? Geht dann dein Jahr genauso weiter wie vorher?

Falls ja, dann nimmst du am sogenannten Rainbowwashing teil. Dann profitierst du von dieser “Werbemöglichkeit” des Pride Month und springst einfach nur auf den Zug auf, ohne ernsthaft deine Solidarität zu zeigen.

Mein Tipp: Wenn es dir nur darum geht, dann lass es bleiben. Damit schadest du der Bewegung mehr, als dass du ihr hilfst. Und siehst hinterher nur wie ein:e Heuchler:in aus. Harte Worte, ist aber so

Hoch mit Euch aufs Podest.

Genauso schlimm ist übrigens, wenn du versuchst, durch queere Paare dir ein anderes Image zu schaffen und sie deshalb bevorzugt vorzeigst. Eines meiner Hochzeitspaare erzählte mir, als es auf einer Messe war und eine freie Traurednerin fragte, ob sie auch zwei Frauen verheiraten würde, kam die Antwort: “Na klar, das wäre ja toll, dann könnte ich das super auf meiner Website bewerben.”

Vielleicht unglaublich, aber wahr. Das ist genauso schlimm wie Rainbowwashing oder diskriminierende Sprache. Denn damit implizierst du, obwohl du die beiden ja verheiraten möchtest, dass sie anders sind. Dass es besonders ist, dass zwei Frauen heiraten wollen.

Und das ist es nicht. Jede einzelne Hochzeit ist besonders, jedes Paar, jede Beziehung, ist einzigartig und verdient deswegen auch dieselbe Behandlung. Wie würde es dir gefallen, wenn ein:e Fußpfleger:in zu dir sagen würde: “Klar nehme ich den Auftrag an, aber nur, um auf meiner Website zu zeigen, dass ich die hässlichsten Füße schön machen kann.” Überspitzt dargestellt, aber der Grundgedanke ist derselbe.

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Das Fazit.

Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, immer genderneutral zu reden und zu schreiben, alle Personen zu inkludieren und jeden Satz zu überdenken. Vielmehr geht es darum, das Bewusstsein zu schaffen, vielleicht die eine oder andere Verhaltens- und Ausdrucksweise zu überdenken. 

Und wenn ihr im Übrigen Interesse an inklusiver Sprache habt, dann kann ich euch die liebe Lucia Clara Rocktäschel mit ihrem Instagram-Account diversity texterin wärmstens empfehlen.

WOHOOO!

Du hast mich
angefragt!

Vielen lieben Dank!

Meistens bekommst du schon innerhalb von 3 Stunden eine Rückantwort von mir – spätestens aber nach 12 Stunden, versprochen!